Jun 11 / Doctorflix Team

Moderne Kontrazeption: Ein umfassender Überblick

Kontrazeption ist ein zentraler Bestandteil der gynäkologischen Praxis und bietet Frauen vielfältige Möglichkeiten, eine Schwangerschaft zu verhindern. In diesem Artikel geben wir einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Verhütungsmethoden, deren Wirkungsweise und die jeweiligen Vor- und Nachteile.


Der Pearl Index: Maßstab der Verhütungssicherheit

Der Pearl Index ist ein wichtiges Maß zur Bestimmung der Wirksamkeit von Verhütungsmethoden. Er gibt an, wie viele Frauen von 1000, die ein Jahr lang eine bestimmte Verhütungsmethode anwenden, dennoch schwanger werden. Ein niedriger Pearl Index steht für eine hohe Wirksamkeit.
Hohe und niedrige Pearl Indizes
Der Pearl Index ist bei Methoden wie dem Verhütungsstäbchen am niedrigsten, da diese kaum Anwenderfehler zulassen. Hingegen sind natürliche Verhütungsmethoden oder Methoden wie die Pille, die korrekt eingenommen werden müssen, anfälliger für Fehler und haben somit höhere Pearl Indizes.

Anwenderfehler und ihre Auswirkungen
Ein signifikanter Faktor, der den Pearl Index beeinflusst, sind Anwenderfehler. Bei oralen Kontrazeptiva, wie der Pille, können Fehler bei der Einnahme, wie das Vergessen einer Dosis oder Durchfallerkrankungen, die Wirksamkeit erheblich beeinträchtigen. Im Gegensatz dazu sind Methoden wie das Verhütungsstäbchen oder die Spirale weitgehend unabhängig von der Benutzeranwendung und bieten daher eine konstante Schutzwirkung.

Hormonelle Verhütungsmethoden

Die klassische Pille
Die Kombinationspille, die Östrogen und Gestagen enthält, ist eine der am häufigsten verwendeten Methoden. Sie verhindert den Eisprung und verändert die Gebärmutterschleimhaut, um das Eindringen von Spermien zu erschweren. Die korrekte Anwendung ist entscheidend, um ihre hohe Wirksamkeit zu gewährleisten. Einnahmefehler, wie das Vergessen der Pille oder gesundheitliche Probleme wie Erbrechen, können die Wirksamkeit beeinträchtigen.

Modifikationen und neue Entwicklungen
Moderne Pillen haben eine reduzierte Östrogendosis im Vergleich zu den ersten Präparaten, was das Thromboserisiko verringert. Zudem gibt es inzwischen auch sogenannte Langzyklus-Schemata und Pillen mit natürlichem Östradiol, die eine gleichmäßigere hormonelle Versorgung ermöglichen und Nebenwirkungen minimieren können.

Der Verhütungsring
Der Vaginalring bietet eine kontinuierliche Freisetzung von Hormonen und ist eine Alternative für Frauen, die Schwierigkeiten haben, täglich an die Einnahme der Pille zu denken. Er wird einmal monatlich eingesetzt und gewährleistet durch die gleichmäßige Hormonzufuhr eine zuverlässige Verhütung.

Gestagen-Only-Pillen und Verhütungsstäbchen
Für Frauen, die kein Östrogen einnehmen dürfen, bieten sich Gestagen-Only-Pillen und das Verhütungsstäbchen an. Letzteres wird unter die Haut am Oberarm eingesetzt und bietet bis zu drei Jahre lang Schutz. Diese Methoden haben ein geringeres Thromboserisiko, können jedoch zu Zyklusstörungen führen.

Der Verhütungspatch
Ein weiteres hormonelles Verhütungsmittel ist der Verhütungspatch, der ähnlich wie der Ring funktioniert, jedoch auf die Haut aufgeklebt wird. Er gibt kontinuierlich Hormone ab und muss wöchentlich gewechselt werden. Der Patch ist besonders geeignet für Frauen, die eine tägliche Einnahme vergessen könnten, aber dennoch eine zuverlässige Verhütung wünschen.

Der Vaginalring
Der Vaginalring ist eine hormonelle Verhütungsmethode, die kontinuierlich eine niedrige Dosis Östrogen und Gestagen freisetzt. Er wird einmal im Monat eingesetzt und bleibt drei Wochen lang in der Scheide, gefolgt von einer einwöchigen Pause. Der Ring bietet den Vorteil, dass er nicht täglich angewendet werden muss und somit weniger anfällig für Anwenderfehler ist.

Intrauterine Verhütungsmethoden

Die Hormonspirale
Die Hormonspirale kombiniert mechanische und hormonelle Verhütung. Sie wird in die Gebärmutter eingesetzt und gibt kontinuierlich Gestagen ab, was die Gebärmutterschleimhaut verdünnt und die Spermienbeweglichkeit einschränkt. Sie bietet bis zu fünf Jahre Schutz und kann die Menstruationsblutung deutlich reduzieren.

Die Kupferspirale
Als hormonfreie Alternative bietet die Kupferspirale einen langfristigen Schutz durch die Freisetzung von Kupferionen, die eine spermizide Wirkung haben. Sie verändert das Milieu der Gebärmutter und verhindert die Einnistung einer befruchteten Eizelle. Die Kupferspirale kann bis zu zehn Jahre eingesetzt bleiben.

Langfristige Anwendung und Vorteile
Intrauterine Methoden sind besonders vorteilhaft für Frauen, die eine langfristige Verhütung wünschen. Die Kupferspirale und die Hormonspirale bieten Schutz für mehrere Jahre und erfordern nur minimale ärztliche Eingriffe. Sie sind ideal für Frauen, die eine wartungsarme Methode bevorzugen und ihre Fruchtbarkeit nach dem Entfernen schnell wiederhergestellt wissen wollen.

Natürliche Verhütungsmethoden

Temperaturmethode und Co.
Natürliche Methoden wie die Temperaturmethode basieren auf der Beobachtung des weiblichen Zyklus und der Fruchtbarkeitszeichen. Sie erfordern eine genaue Kenntnis des eigenen Körpers und Disziplin, bieten jedoch keine hohe Sicherheit und haben daher einen höheren Pearl Index.

Zervixschleim-Methode und symptothermale Methode
Die Beobachtung des Zervixschleims und die symptothermale Methode, die Temperaturmessung und Zervixschleimbeobachtung kombiniert, sind weitere natürliche Methoden. Diese erfordern ein intensives Selbststudium und tägliche Aufzeichnungen, um den Fruchtbarkeitsstatus genau zu bestimmen.

Vor- und Nachteile natürlicher Methoden
Diese Methoden sind frei von Nebenwirkungen und können bei korrekter Anwendung durchaus zuverlässig sein. Allerdings sind sie anfällig für Anwendungsfehler und bieten weniger Schutz als hormonelle oder intrauterine Methoden. Sie eignen sich besonders für Frauen, die auf künstliche Hormone verzichten möchten und bereit sind, Zeit in die Selbstbeobachtung zu investieren.

Rolle der Beratung und Bildung
Ein wesentlicher Aspekt bei der Anwendung natürlicher Methoden ist die umfassende Beratung und Bildung. Frauen müssen gut informiert sein und Zugang zu zuverlässigen Informationsquellen haben, um die Methoden korrekt anzuwenden und die individuellen Fruchtbarkeitsmuster zu verstehen.

Barriere- und chemische Methoden

Kondome und Diaphragmen
Kondome sind eine weit verbreitete und einfach anzuwendende Barriere-Methode. Sie bieten den zusätzlichen Vorteil des Schutzes vor sexuell übertragbaren Krankheiten (STDs). Diaphragmen und Portiokappen sind weitere Barriere-Methoden, die in die Scheide eingeführt werden und den Zugang der Spermien zur Gebärmutter verhindern.

Spermizide
Spermizide sind chemische Substanzen, die Spermien abtöten oder ihre Beweglichkeit einschränken. Sie werden oft in Kombination mit Barriere-Methoden verwendet, um die Wirksamkeit zu erhöhen. Spermizide sind in verschiedenen Formen erhältlich, darunter Cremes, Gele, Schäume und Zäpfchen.

Vor- und Nachteile von Barriere-Methoden
Barriere-Methoden bieten den Vorteil, dass sie nicht hormonell sind und somit keine systemischen Nebenwirkungen haben. Sie erfordern jedoch eine gewissenhafte Anwendung bei jedem Geschlechtsverkehr und können die Spontaneität beeinträchtigen. Kondome bieten zudem den Vorteil des Schutzes vor STDs, was sie zu einer wichtigen Ergänzung in der sexuellen Gesundheit macht.

Schlussfolgerung

Die Wahl der richtigen Verhütungsmethode hängt von vielen Faktoren ab, einschließlich individueller Gesundheitszustände, Lebensstil und persönlichen Vorlieben. Hormonelle Methoden bieten hohe Sicherheit, erfordern jedoch Disziplin in der Anwendung. Intrauterine Methoden sind langfristig und wartungsarm, während natürliche Methoden keine chemischen Eingriffe erfordern, jedoch eine höhere Fehleranfälligkeit haben. Barriere-Methoden bieten zusätzlichen Schutz vor STDs und sind hormonfrei.

Wenn du mehr über die verschiedenen Verhütungsmethoden und deren Anwendung erfahren möchten, schaue dir jetzt die Fortbildung von Professor Bernd Kleine-Gunk an.

2 CME
Übersicht Kontrazeption
Erfahre mehr zu Kombinationspillen, Minipillen und deren Risiken und Anwendung, sowie das Einlegen der Hormon- oder Kupferspirale und der Sterilisation.

Prof. Dr. med. Bernd Kleine-Gunk

Facharzt für Gynäkologie und Präsident der German Society of Anti-Aging Medicine (GSAAM)