Einblicke in die digitale Transformation des Gesundheitswesens auf der DMEA 2026
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken brachte es in ihrer Keynote auf den Punkt: „Die entscheidende Frage ist schon lange nicht mehr, ob wir digitalisieren, sondern wie entschlossen und wie klug wir das tun." Dieser Satz hätte das inoffizielle Motto der diesjährigen DMEA sein können.
Vom 21. bis 23. April 2026 kamen in Berlin 22.000 Teilnehmende zusammen – ein neuer Besucherrekord, rund sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Mit rund 900 Ausstellern aus fast 30 Ländern und 550 Speakern hat sich Europas führendes Digital-Health-Event einmal mehr als das Zentrum der Branche bewiesen.
Die Botschaft war klar: Die Digitalisierung des Gesundheitswesens ist kein Zukunftsprojekt mehr – sie ist Gegenwart, und es geht um die Qualität der Umsetzung.
Die ePA wird zur Alltags-App
Kein Thema hat die Diskussionen auf der DMEA 2026 so geprägt wie die elektronische Patientenakte. Dass inzwischen mehr als 70 Millionen gesetzlich Versicherte über eine ePA verfügen, wurde dabei nicht nur als Erfolg gewertet, sondern als Startpunkt für den nächsten Entwicklungsschritt.
Ministerin Warken skizzierte eine ePA, die weit über die Funktion eines digitalen Aktenschranks hinausgehen soll: von der Ersteinschätzung bis zur Terminvereinbarung, von der Medikationsliste bis zu personalisierten Präventionsangeboten wie Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen. Die ePA als zentrale Anlaufstelle der ambulanten Erstversorgung – das ist kein Wunschbild mehr, sondern eine konkrete politische Agenda. Die für Ende des Jahres geplante Volltextsuche ist dabei nur ein nächster Baustein.
Auch der Blick über die Landesgrenzen hinaus spielte eine große Rolle. Der Europäische Gesundheitsdatenraum (EHDS) stand in zahlreichen Sessions im Mittelpunkt – als Infrastruktur, die nationale Daten europäisch nutzbar macht, und als regulatorischer Rahmen, der Forschung, Versorgung und Patientensouveränität in Einklang bringen soll.
KI, Cybersecurity und ein wachsendes Ökosystem
Neben der ePA-Agenda war es vor allem die Künstliche Intelligenz, die das Kongressprogramm durchzog – nicht mehr als abstraktes Versprechen, sondern als konkret einsetzbare Technologie. Das zeigte sich nirgends deutlicher als beim DMEA Nova Award: Das Startup Prof. Valmed aus Hessen überzeugte die Fachjury mit einem KI-Tool, das Ärztinnen und Ärzte im Praxisalltag bei Diagnosen und Behandlungsentscheidungen unterstützt. Die Auszeichnung steht exemplarisch für eine Gründerszene, die reift: In der Startup & Innovation Area präsentierten rund 70 Jungunternehmen ihre Lösungen – von KI-gestützten Klinikprozessen über digitales Praxismanagement bis hin zu smarten Pflegelösungen.
Gleichzeitig war spürbar, dass mit wachsender digitaler Infrastruktur auch die Anforderungen an deren Sicherheit steigen. IT-Sicherheit, souveräne Cloudlösungen und Fragen der C5-Zertifizierung für Leistungserbringer bildeten einen eigenen inhaltlichen Schwerpunkt – eine Debatte, die im Gesundheitswesen längst aus dem Serverraum in die Vorstandsetagen gewandert ist.
Fazit
Die DMEA 2026 hat gezeigt, dass sich das Gesundheitswesen in einer Reifephase befindet. Die Technologien existieren, die politischen Rahmenbedingungen nehmen Form an, und die Community weiß zunehmend, welche Fragen sie stellen muss.
Was bleibt, ist die Herausforderung der Umsetzung – in der Breite, in der Praxis, für alle Beteiligten. Für Ärztinnen und Ärzte bedeutet das konkret: Die digitalen Werkzeuge, die bisher als Zukunftsvision galten, werden in den nächsten Jahren ihren Weg in den klinischen und ambulanten Alltag finden.
Wer diesen Wandel aktiv mitgestaltet, wird davon profitieren – nicht nur in der Effizienz, sondern auch in der Qualität der Patientenversorgung.


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