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45 min
Gynäkologie
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Social Freezing

Prof. Dr. med. Miguel J. Hinrichsen

Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, Schwerpunkt Reproduktionsmedizin, Gründer des MVZ Fertility-Center-Bayreuth
Erfahre von Prof. Dr. med. Miguel Hinrichsen, Experte im Bereich Reproduktionsmedizin, alles rund um das Thema Social Freezing. Warum verschiebt sich, aus medizinischer aber auch privater Sicht, die Familienplanung? Was steckt hinter der steigenden Kinderlosigkeit in Deutschland?  Und was ist die Fertilitätsprotektion und wie funktioniert diese?
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Executive Summary: Social Freezing

Einführung

Social Freezing bezeichnet den Erhalt der Fruchtbarkeit durch das Einfrieren von Eizellen, um eine spätere Familienplanung zu ermöglichen. Dieser Prozess gewinnt zunehmend an Bedeutung, da immer mehr Frauen ihre Kinderwunschpläne aus verschiedenen Gründen verschieben. Im Folgenden wird ein Überblick über die Gründe für Social Freezing, die rechtlichen Aspekte, die Anzahl der eingefrorenen Eizellen sowie die Bedeutung von Social Freezing in Deutschland gegeben.

Gründe für Social Freezing

Die Gründe für Social Freezing sind vielfältig und reichen von beruflichen und persönlichen Zielen bis hin zu medizinischen Indikationen. Berufliche Ambitionen, längere Ausbildungszeiten und das Fehlen eines passenden Partners sind häufige persönliche Gründe, warum Frauen sich für das Einfrieren ihrer Eizellen entscheiden. Darüber hinaus gibt es medizinische Gründe wie Krebserkrankungen, bei denen eine bevorstehende Chemotherapie oder Strahlentherapie die Fruchtbarkeit beeinträchtigen könnte. Social Freezing bietet diesen Frauen die Möglichkeit, ihre Fruchtbarkeit zu erhalten und den Kinderwunsch zu einem späteren Zeitpunkt zu erfüllen. Auch genetische Erkrankungen, die das Risiko einer vorzeitigen Menopause erhöhen, können einen weiteren medizinischen Grund darstellen. Durch das Einfrieren der Eizellen in jungen Jahren kann die Qualität der Eizellen gesichert werden, bevor die natürliche Fruchtbarkeit abnimmt.

Anzahl und Qualität der Eizellen

In Deutschland liegt die durchschnittliche Anzahl der eingefrorenen Eizellen bei Frauen, die sich aus nichtmedizinischen Gründen für Social Freezing entscheiden, bei etwa zehn Eizellen. Bei Frauen, die aus medizinischen Gründen Eizellen einfrieren lassen, liegt der Durchschnitt bei etwa fünf Eizellen, da die eigentliche Behandlung, insbesondere bei onkologischen Indikationen, nicht verzögert werden soll. Es wird empfohlen, mindestens zehn Eizellen, optimalerweise sogar bis zu 30 Eizellen, einzufrieren, um die Chancen auf eine erfolgreiche Schwangerschaft zu erhöhen. Das Alter der Frau spielt hierbei eine entscheidende Rolle, da die Qualität und Anzahl der Eizellen mit zunehmendem Alter abnehmen. Jüngere Frauen haben in der Regel eine bessere Eizellqualität, was die Erfolgswahrscheinlichkeit bei einer späteren Befruchtung erhöht. Daher wird Frauen oft geraten, den Eingriff in einem möglichst jungen Alter durchführen zu lassen, um die besten Ergebnisse zu erzielen.

Rechtliche Aspekte und gesellschaftliche Akzeptanz

In Deutschland gibt es kein gesetzliches Verbot für Social Freezing, jedoch existieren Empfehlungen bezüglich des Alters, bis zu dem Eizellen befruchtet und Embryonen transferiert werden sollten. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen in der Regel die Kosten für das Einfrieren und Lagern von Eizellen bei medizinischen Indikationen. Social Freezing aus nichtmedizinischen Gründen wird jedoch von den Patientinnen selbst finanziert. Gesellschaftlich wird das Bewusstsein und die Akzeptanz für Social Freezing zunehmend größer, insbesondere in Großstädten. Verschiedene Studien zeigen, dass immer mehr Frauen, auch ohne festen Partner, ihren Kinderwunsch realisieren möchten, was die Bedeutung von Social Freezing unterstreicht. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der wachsenden Zahl an Kliniken wider, die diesen Service anbieten. Zudem trägt die öffentliche Diskussion über Social Freezing dazu bei, Vorurteile abzubauen und Frauen besser über ihre Möglichkeiten zu informieren.

Social Freezing in Deutschland

Die Zahl der Social Freezing-Behandlungen in Deutschland nimmt stetig zu, obwohl sie noch nicht den tatsächlichen Bedarf widerspiegelt. Aktuell gibt es etwa 2200 Behandlungen pro Jahr, jedoch ist das durchschnittliche Alter der Frauen, die sich für Social Freezing entscheiden, mit 36 Jahren relativ hoch. Dies ist problematisch, da die Fruchtbarkeit bereits ab dem 20. Lebensjahr abnimmt. Eine frühzeitige Aufklärung über die Vorteile von Social Freezing und die biologische Uhr ist daher essenziell, um Frauen zu ermutigen, ihre Eizellen rechtzeitig einfrieren zu lassen. Durch Informationskampagnen und Beratungsangebote könnten mehr Frauen dazu motiviert werden, diesen Schritt früher in Erwägung zu ziehen, was ihre Chancen auf eine erfolgreiche spätere Schwangerschaft verbessern würde. Außerdem könnten finanzielle Unterstützungsprogramme und eine breitere gesellschaftliche Akzeptanz dazu beitragen, dass mehr Frauen den Zugang zu Social Freezing in Betracht ziehen.

Fazit

Social Freezing bietet Frauen die Möglichkeit, ihre Fruchtbarkeit zu erhalten und ihre Familienplanung flexibel zu gestalten. Die steigende gesellschaftliche Akzeptanz und das wachsende Bewusstsein für die Vorteile dieser Methode sind positive Entwicklungen. Dennoch besteht weiterer Aufklärungsbedarf, um sicherzustellen, dass Frauen frühzeitig über die Optionen und die optimale Zeitspanne für das Einfrieren ihrer Eizellen informiert sind. Dies kann dazu beitragen, die Chancen auf eine erfolgreiche Schwangerschaft und die Verwirklichung des Kinderwunsches zu erhöhen. Eine umfassende Beratung und Unterstützung durch medizinische Fachkräfte sind entscheidend, um Frauen bei ihrer Entscheidungsfindung zu begleiten und ihnen die bestmöglichen Chancen auf eine spätere Elternschaft zu bieten.

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