Journal
Wissen

Fehlende CME-Punkte: Handlungsoptionen für Ärzte

Bild vom Verfasser
Doctorflix Team
30.5.2024
•
5 min lesen

Für Ärzte ist es von größter Bedeutung, innerhalb des vorgeschriebenen Fünfjahreszeitraums die erforderlichen 250 CME-Punkte (Continuing Medical Education) zu sammeln. Doch was passiert, wenn man kurz vor Ablauf der Frist feststellt, dass die Punktezahl nicht erreicht wurde? In diesem Artikel erfährst du, welche Konsequenzen drohen und wie du effektiv gegensteuern kannst.

‍

Mögliche Konsequenzen bei zu wenigen CME-Punkten

Gemäß den gesetzlichen Vorgaben können bei unzureichender CME-Punktezahl ernsthafte Sanktionen verhängt werden. Die genauen Bestimmungen können von Bundesland zu Bundesland variieren, die häufigsten Konsequenzen sind jedoch:

Honorarkürzungen für Vertragsärzte

Niedergelassene Ärzte, die an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmen, müssen mit empfindlichen Honorarkürzungen rechnen. Zunächst werden 10 % des Honorars einbehalten. Bei weiterer Nichteinhaltung der Fortbildungspflicht kann dieser Abzug auf 25 % erhöht werden.‍

‍

Beispiel: Ein Hausarzt mit einem durchschnittlichen Monatseinkommen von 10.000 Euro würde bei einer 10%-Kürzung 1.000 Euro pro Monat verlieren – pro Jahr wären das 12.000 Euro.

Disziplinarmaßnahmen für angestellte Ärzte

Für Ärzte in Kliniken, Reha-Einrichtungen oder anderen Anstellungsverhältnissen können ebenfalls Sanktionen drohen. Häufig sind hier Disziplinarmaßnahmen wie Abmahnungen, Geldbußen oder im Extremfall die Kündigung möglich.

‍

Ein Oberarzt einer Klinik berichtet:

"In unserem Haus wurde bereits eine Kollegin abgemahnt, weil sie die Fortbildungspunkte deutlich unterschritten hatte. Das kann den Ruf und die Karriere massiv schädigen."

Lizenzentzug als letzte Konsequenz

In den meisten Bundesländern besteht die Möglichkeit, dass Ärzten im Extremfall die Approbation und damit die Erlaubnis zur Ausübung des Arztberufs entzogen wird. Dies ist allerdings wirklich der äußerste Notfall, der nur nach einer zweijährigen Nachreichefrist und weiterer Nichterfüllung der Pflichten greifen würde. Dennoch ist es ein Szenario, das unbedingt vermieden werden sollte. Denn ein Lizenzentzug hätte nicht nur finanzielle, sondern auch massive persönliche und reputationstechnische Folgen für den Arzt.

Genauere Informationen findest du im
SGB § 95d Pflicht zur fachlichen Fortbildung. Einen Überblick über Pflicht, Punktzahl und Fristen findest du zusätzlich im Artikel „Pflichtfortbildung für Ärzte: CME-Punkte, Fristen und gesetzliche Vorgaben“.

Effektive Strategien zum Nachholen von CME-Punkten

Wenn du kurz vor Ablauf der Frist feststellst, dass deine CME-Punktezahl zu niedrig ist, gibt es verschiedene Möglichkeiten, um zügig gegenzusteuern:‍

1. Online-Kurse nutzen

Zertifizierte Online-Fortbildungen bieten die schnellste und flexibelste Möglichkeit, CME-Punkte zu erwerben. Viele Anbieter wie medizinische Fachgesellschaften und Online-Plattformen stellen interaktive Kurse bereit, bei denen du innerhalb von 45–90 Minuten bis zu 4 Punkte gutgeschrieben bekommst.‍

‍

Beispiel: Auf Doctorflix findest du über 240 Kurse aus allen Fachbereichen. Ein 45-minütiger Kurs bringt dir im Regelfall 2 CME-Punkte.

Tipp: Erstelle dir einen konkreten Lernplan, in dem du festlegst, wann du welche Online-Kurse bearbeiten möchtest. So lassen sich die Punkte effizient und ohne Stress ansammeln.‍

2. Präsenzveranstaltungen besuchen

Kurzfristig angebotene Workshops, Seminare und Refresher-Kurse erlauben es, innerhalb weniger Tage eine größere Anzahl an Punkten zu sammeln. Viele Anbieter wie Universitäten, Fachgesellschaften und Ärztekammern bieten solche Kompaktveranstaltungen an.

‍

Beispiel: Die Ärztekammer Nordrhein veranstaltet regelmäßig Wochenendkurse, bei denen Ärzte bis zu 16 CME-Punkte erwerben können. Die Kurse behandeln aktuelle Themen aus verschiedenen Fachbereichen.

‍

Der Vorteil von Präsenzveranstaltungen ist, dass du nicht nur effizient Punkte sammelst, sondern auch vom persönlichen Austausch und wertvollen Networking-Möglichkeiten profitieren kannst.‍

3. Eigenstudium betreiben

Durch das Studium von Fachartikeln, Fallstudien und multimedialen Lernressourcen wie Webinaren, Podcasts und Erklärvideos kannst du ebenfalls CME-Punkte im Selbststudium erwerben. Viele Anbieter stellen die notwendigen Unterlagen, Fragebögen und Zertifikate bereit.

‍

Beispiel: Das Deutsche Ärzteblatt veröffentlicht regelmäßig CME-zertifizierte Fortbildungsartikel. Nach dem Lesen des Artikels und der erfolgreichen Bearbeitung eines Online-Tests erhältst du 2 CME-Punkte gutgeschrieben.

Tipp: Integriere das Eigenstudium in deinen Alltag, indem du beispielsweise Medizin-Podcasts auf dem Arbeitsweg hören oder Fachbücher in Ihrer Mittagspause lesen.‍

4. Fristen nutzen

Die Ärztekammern gewähren in der Regel eine Nachreichefrist von zwei Jahren, um fehlende CME-Punkte nachzuholen. Nutze diese Zeit, um die Punkte konsequent und mit einem strukturierten Plan anzusammeln.‍

‍

Beispiel: Ein Arzt hat in seinem Fünfjahreszeitraum nur 180 der 250 erforderlichen Punkte gesammelt. Er beantragt bei seiner Kammer eine zweijährige Nachreichefrist und holt in dieser Zeit die fehlenden 70 Punkte nach.‍

5. Nachweis erbringen

Überprüfe regelmäßig dein Fortbildungskonto bei der zuständigen Ärztekammer und reiche Teilnahmenachweise für besuchte Fortbildungen umgehend ein. Viele Kammern bieten Online-Konten an, in denen du deinen CME-Punktestand jederzeit einsehen kannst.

‍

Beispiel: Die Ärztekammer Westfalen-Lippe stellt ihren Mitgliedern ein Online-Fortbildungskonto zur Verfügung. Hier können Ärzte selbst Nachweise für absolvierte Fortbildungen hochladen und ihren aktuellen Punktestand überprüfen.

Tipp: Lege dir eine digitale oder physische Ablage an, in der du alle Teilnahmebestätigungen und Zertifikate sammelst. So hast du bei Bedarf den Nachweis über deine Fortbildungen direkt parat.

‍

Fazit: Frühzeitig planen und gegensteuern

Durch frühzeitiges Handeln und die Nutzung der verschiedenen Fortbildungsoptionen können Ärzte effektiv gegensteuern, wenn die CME-Punkte knapp werden. Eine kontinuierliche Weiterbildung ist nicht nur gesetzlich vorgeschrieben, sondern auch essentiell für eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung auf dem neuesten Stand der Medizin.

Entscheidend ist, dass du dich regelmäßig über deinen CME-Punktestand informierst und rechtzeitig planst, wie du fehlende Punkte nachholen kannst. Durch die Kombination aus Online-Kursen, Präsenzveranstaltungen, Eigenstudium und der Nutzung von Fristen lässt sich der Fortbildungsaufwand gut in den Praxisalltag integrieren. So können Sanktionen aufgrund einer unzureichenden Punktezahl vermieden werden.